LORENZ ESTERMANN

Lorenz Estermann ist ein Meister im Umgang mit architektonischen Prototypen. Mit billigen, „armen“, ausrangierten Materialien (Sperrholz, Wellpappen, diversen Papieren, Kartons und da und dort einigen Holzstäben) geht der in Wien und Linz lebende Künstler ans Werk, erfindet und baut aus all dem, was überall herumsteht und auf bessere Zeiten hofft, neue Kleinarchitektur.: lapidar und verschroben, hochsensibel abgestuft und mit humorigen Fallen und Einbauten versehen, die meist erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.

Das breite Assoziationsspektrum, das Estermanns Architekturmodelle auftun, unterstreicht aber auch unmissverständlich den sozialen Kontext derartiger anonymer Bauwerke. Viele von ihnen spürt er auf Reisen in ehemaligen Ostblockstaaten auf und fotografiert sie ebenso wie neue Billighochhäuser und jene gleichförmigen Kommunalbauten, deren Abbruch oft nur eine Frage der Zeit und des Geldes ist.

Das Alte und Abgebrauchte, der von Nichtarchitekten gebastelte Funktionalismus, interessiert ihn mehr als stereotype Verwendbarkeit, architektonische Moden und die anfängliche Perfektion von Gebäuden, die als Strandhäuser, Würstelbuden, Tankstellen, Schiffspavillons oder Wartehäuser dem Zahn der Zeit temporär unter sichtbarem Substanzverlust trotzen.
An den Schnittstellen von Architektur, Zeichnung, Fotografie und Malerei konfrontiert der in jüngster Vergangenheit europaweit in renommierten Galerien und Museen erfolgreiche Künstler mit überarbeiteten Farbprints und vielen Beispielen hochsensibler parodistischer Objektkunst.

Die Ausstellung in der Galerie der Stadt Wels wird am 14. Februar um 19 Uhr mit einem Gespräch von Verena Konrad, Direktorin des VAI  (Vorarlberger Architekturinstitut) und Kuratorin des Österreichpavillons der Architekturbiennale 2018 in Venedig, mit dem Künstler eröffnet.  Den Kern der Präsentation bilden die jüngsten Skulpturen von 2019, die in Aluminium gegossenen Modelle von fiktiven Architekturen.

Lorenz Estermann, geboren in Linz/Oberösterreich. Studium 1988-1993 an der Universität für Angewandte Kunst bei Prof. Ernst Caramelle, Meisterklasse Freie Grafik. Diplom 1993. Lebt und arbeitet in Wien.